25.04.

Tilly Fleischer

Haben wir uns in der letzten Woche den deutschen Medaillengewinnern bei Olympischen Spielen gewidmet, so soll heute die Rede von den Erfolgen der deutschen Frauen sein.

1928 in Amsterdam, bei den ersten Olympischen Spielen, an denen auch Frauen teilnehmen durften, gingen die deutschen Damen noch leer aus. Sowieso wurde nur das Diskuswerfen ausgetragen.

1932 in Los Angeles kam zum Diskuswerfen noch das Speerwerfen hinzu und hier konnten die deutschen Frauen gleich zwei Medaillen gewinnen. Silber ging an die Berlinerin Ellen Braumüller, die mit 43,49m knapp an der US-amerikanischen Superathletin Mildred "Babe" Didriksen (43,68m) scheiterte. Bronze gewann mit genau 43 Metern die Frankfurterin Ottilie "Tilly" Fleischer, deren Stunde aber vier Jahre später in Berlin schlagen sollte.

Gisela Mauermayer

In Berlin 1936 gewannen die Deutschen beide ausgetragenen Wurfwettbewerbe. Wie bereits angedeutet konnte sich Tilly Fleischer mit dem Speer durchsetzen, Silber ging an Luise Krüger aus Dresden. Das Diskuswerfen entschied Weltrekordlerin Gisela Mauermayer vor der Polin Jadwiga Wajs für sich, Bronze gewann die Hamburgerin Paula Mollenhauer.

1948 in London nahm keine deutsche Mannschaft an den Olympischen Spielen teil. In Helsinki 1952 konnte aber bereits wieder eine deutsche Werferin eine Medaille gewinnen. Die Dülmenerin Marianne Werner eroberte die Silbermedaille im seit den Spielen 1948 ausgetragenen Kugelstoßen.

1956 gelang Marianne Werner in Melbourne ein erneuter Medaillencoup als Dritte mit der Kugel.

Marianne Werner

1960 nahm die "Medaillenfabrik" der DDR langsam Fahrt auf. Johanna Lüttge aus Gebesee in Thüringen erkämpfte sich in Rom mit 16,61m die Silbermedaille hinter Tamara Press.

1964 in Tokio war es Lüttges Mannschaftskameradin Renate Garisch-Culmberger (später Boy), die die Silberne mit nach Hause nach Rostock nehmen konnte. Die Leipzigerin Ingrid Lotz konnte sich die gleiche Medaillenfarbe im Diskuswerfen sichern.

Johanna Lüttge

1968 gelang den Athletinnen der DDR ein Doppelsieg im Kugelstoßen. Margitta Gummel siegte in Mexiko City vor Marita Lange. Dabei gelang es Gummel als erster Frau über 19 Meter zu stoßen, und das mit zunächst 19,07m und dann 19,61m sehr deutlich. Im Diskuswurf verpasste die Leverkusener Weltrekordlerin Liesel Westermann Gold und musste sich mit Silber hinter der Rumänin Lia Manoliu zufrieden geben.

In München 1972 wurde Margitta Gummel Zweite im Kugelstoßen hinter Nadeschda Tschischowa. Im Speerwurf sicherte sich Weltrekordlerin Ruth Fuchs ihr erstes Gold vor Mannschaftskameradin Jaqueline Todt, die Silber errang.

1976 verteidigte Ruth Fuchs in Montreal ihre Goldmedaille mit dem Speer. Zweite wurde erneut eine Deutsche, diesmal aus dem Westen. Marion Becker war die Glückliche. Marion Becker hatte bis zu ihrem Silbermedaillengewinn eine wahre Odyssee hinter sich. 1950 in Hamburg geboren siedelten ihre Eltern in die DDR um. 1969 emigrierte sie nach Rumänien, um dort den deutschstämmigen Rumänen Siegfried Becker zu heiraten, der auch ihr Trainer wurde. 1973 zog sie in die Bundesrepublik und startete für den USC München. Mit dem Diskus gab es zwei weitere Medaillen für deutsche Werferinnen. Evelyn Schlaak (spätere Jahl) gewann Gold, Gabriele Hinzmann Bronze.

1980 nahmen keine westdeutschen Werferinnen an den Olympischen Spielen in Moskau teil. Dafür eroberten die DDR-Athletinnen vier Medaillen, davon zwei goldene. Das Kugelstoßen gewann Ilona Slupianek (später Briesenik), Bronze holte sich Margitta Pufe. Das Diskuswerfen gewann Evelyn Jahl, womit sie als bisher einzige Diskuswerferin überhaupt zweimal Gold gewinnen konnte. Mit dem Speer landete Ute Hommola auf dem Bronzerang.

1984 fehlten die DDR-Werferinnen aus politischen Gründen in Los Angeles. Einzige Medaille war daher die Goldene im Kugelstoßen durch die für den LAC Quelle Fürth startende Claudia Losch.

Petra Felke

1988 in Seoul starteten das letzte Mal zwei deutsche Mannschaften bei Olympischen Spielen. Fünf Medaillen in drei Wettbewerben sind eine kolossale Ausbeute, alle wurden von Werferinnen der DDR gewonnen. Die Magdeburgerin Katrin Neimke gewann dabei Silber mit der Kugel. Martina Hellmann gewann das Diskuswerfen vor Mannschaftskameradin Diana Gansky und mit dem Speer siegte Petra Felke, Beate Koch sicherte sich Bronze.

Martina Hellmann

In einer wiedervereinigten Mannschaft konnten 1992 in Barcelona noch drei Medaillen gewonnen werden. Kathrin Neimke sicherte sich Bronze mit der Kugel, Silke Renk gewann den Speerwurf und Karen Forkel holte mit dem gleichen Wurfgerät Bronze.

1996 in Atlanta konnten sich die Deutschen zwei Goldmedaillen sichern. Ilke Wyludda gelang dies mit dem Diskus und Astrid Kumbernuss mit der Kugel.

Sydney im Jahr 2000 sah zwar keine deutsche Siegerin, dafür aber zwei Bronzemedaillengewinnerinnen. Astrid Kumbernuss musste mit dem dritten Rang mit der Kugel zufrieden sein, während Kirsten Münchow über die Bronzeplakette im erstmals ausgetragenen Hammerwurf jubelte.

2004 in Athen jubelte dann eine Kugelstoßerin an historischer Wettkampfstätte (das Kugelstoßen war aus dem Olympiastadion ins historische Olympia ausgelagert worden). Nadine Kleinert sicherte sich Silber. Gleichfalls Silber ging an die Leverkusenerin Steffi Nerius mit dem Speer.

Das vorerst letzte Edelmetall bei Olympischen Spielen sicherte sich ebenfalls eine Speerwerferin. 2008 in Peking holte die Offenburgerin Christina Obergföll mit Bronze die einzige Medaille einer deutschen Leichtathletin. Mit viel Hoffnung auf mehr darf allerdings in die nächste Zukunft und auf die diesjährigen Spiele in London geblickt werden.