Senioren DM: Titelflut und Medaillenregen



9./10. Juli 2016, Leinefelde Titelflut und Medaillenregen für die Werfer des LBV Phönix – das waren die einzigen erfrischenden Zutaten der diesjährigen Deutschen Meisterschaften der Senioren im thüringischen Leinefelde. Ansonsten waren die durchaus gut organisierten Meisterschaften von Sonne, Wind und Wärme geprägt, die sowohl den Athleten als auch den Betreuern und Zuschauern zu schaffen machten.

„Du bist ja krebsrot!“ musste sich der Trainer am zweiten Tag aus den Reihen der Athleten anhören und auch so mancher Kampfrichter machte sich aus den zur Schau gestellten Rötungen des Betreuers einen Spaß. Der Wind am ersten Wettkampftag verhinderte das rechtzeitige Bemerken der etwas unterschätzten Sonneneinstrahlung und auch die Konzentration auf das Abschneiden der eigenen Athleten ließen keine Ablenkung vom sportlichen Geschehen zu. So blieb der eigentlich notwendige Sonnenschutz für den Trainer ebenso auf der Strecke wie für den mitgereisten Medienvertreter des regionalen Lübecker Internet-Sportportals „HL-Sports“, der vor lauter Faktensammeln und Fotodokumentierens die Vorsorge ebenfalls hintan stellte.

Am Samstag musste sich Oliver Rohwer beim Diskuswurf der M45 trotz jahresbesten 41,56m mit dem undankbaren vierten Platz zufriedengeben, was ihm aber dennoch ein Lächeln entlockte. Überhaupt muss an dieser Stelle die Einstellung aller beteiligten Athletinnen und Athleten gelobt werden, die positiv und mit der notwendigen Konzentration zu Wer­ke gingen und damit für das äußerst erfolgreiche Abschneiden bei diesen Meisterschaften sorgten.

Als zweite musste die bereits im Vorfeld durch eine Sommergrippe gehandicapte Mareike Becker in den Ring. Beim Kugelstoßen der W35 war sie hinter der Kölnerin Wilma Jansen mit der zweitbesten Vorleistung gemeldet, entsprechend waren zwar zunächst die Erwartungen der Athletin und des Trainers, die aber durch die Krankheit etwas gedämpft wurden. Dazu kam beim Einstoßen noch das Pech ins Spiel: Nach einem Stoß trat Mareike über den Balken nach vorne aus dem Ring hinaus – genau in eines von zwei Löchern, die sich dort fahrlässigerweise befanden. Es kam, wie es kommen musste – Mareike knickte um und sah in Gedanken bereits die Felle davon schwimmen. Ein paar Tränen und aufmunternde Worte später stellte sich das Umknicken als weniger gravierend heraus als angenommen. Nach einem vorsichtigen ersten Versuch (11,65m) steigerte sich Mareike über 11,95m im zweiten auf 12,14m im dritten Durchgang. Im vorletzten Versuch gelangen ihr dann wegen der genannten Umstände nie erwartete 12,31m. Diese Saisonbestleistung brachten ihr mit der silberfarbenen die erste Medaille der Veranstaltung für die Phönix-Werfer ein, hinter der favorisierten Wilma Jansen, die sich mit 12,67m den Sieg und damit Gold sicherte.

Am nächsten Tag eröffnete Altmeisterin Mirjam Beier den Medaillenreigen der bestens aufgelegten Werfer und Werferinnen. Als drittbeste gemeldete Athletin im Diskuswurf der W40 warf sie ihre ganze Erfahrung in die Waagschale und verwies mit einer Steigerung auf 43,69m die durch die Vorleistungen höher eingeschätzten Bianca Overcamp (43,30m, LG Olympia Dortmund) und Martina Greithanner (42,35m, TSV Münnerstadt) auf die Plätze und sicherte das erste Gold und damit den Titel einer Deutschen Meisterin für den Phönix. Diese 43,69m bedeuten gleichfalls eine Steigerung des seit 1989 von Vereinskameradin Bärbel Möller gehaltenen schleswig-holsteinischen Landesrekordes der W40, der zuvor bei 42,50m lag.

Parallel zu Mirjam kämpfte Hammerwerfer Peter Huber auf dem etwas abseits gelegenen Werferplatz in einem seiner letzten Wettkämpfe für die Adlerträger in der Altersklasse M35 um Edelmetall. Der Denkmalpfleger, der eine Anstellung in Esslingen (Baden-Württemberg) angenommen hat und am Jahresende den LBV Phönix verlassen wird, setzte sich nach hartem Kampf schließlich mit 53,99m zu 53,57m gegen seinen Rivalen Hendrik Szabo (Mutterstatt) durch und sicherte sich ebenfalls Gold und den Titel eines Deutschen Meisters.

 

Unterdessen kreuzten die Kugelstoßer der M45 im Stadion die Klingen. Favorit Oliver Rohwer ließ hierbei nichts anbrennen und tat es seinen Mannschaftskameraden Mirjam und Peter gleich, sicherte sich mit Saisonbestleitung von 14,99m überlegen Gold und Titelwürde vor dem Essener Frank Werth, der die 7,26 Kg-Kugel auf 14,06m beförderte.

Marlo Burych zahlte dagegen in seiner Altersklasse M40 Lehrgeld im Kugelstoßen, als er lediglich 12,58m in die Wertung brachte und mit dem sechsten und letzten Platz vorlieb nehmen musste. Hier sorgte der Gothaer Andy Dittmar als Sieger mit 18,55m für eine der besten Leistungen dieser Titelkämpfe.

Gleich anschließend musste Marlo mit seinem Hauptwurfgerät, dem Hammer, auf dem Nebenplatz „ran“. Hier lief es im Verhältnis deutlich besser, und da der Energie-Elektroniker nicht hinter seinen Mannschaftskameraden zurückbleiben wollte, was den Kampf um Titel und Medaillen anging, machte er nach einem ungültigen ersten Versuch im zweiten Durchgang mit 43,59m die Silbermedaille hinter dem überlegenen Mainzer Marcel Kunkel klar, der sich mit 52,44m die Goldmedaille sicherte. Im letzten Durchgang untermauerte Marlo schließlich die Silberposition mit der Steigerung seiner Saisonbestleistung auf 46,57m und hinterließ damit einen nachdrücklich positiven Eindruck bei seinem Trainer.

Etwas unglücklich agierte Claudia Kohnke beim Diskuswerfen der Altersklasse W35. Hinter der siegreichen und überlegenen Bremerin Inga Reschke (45,61m) sah es lange Zeit nach Silber für die Ingenieurin aus, bis ihr Anja Thorausch-Seelke vom FSV Sarstedt mit ihrem letzten Versuch auf 40,64m das sicher geglaubte Edelmetall vor der Nase wegschnappte. Claudias 40,51m sind für ihren momentanen Trainingszustand trotzdem aller Ehren wert, entsprechend freute sich die gebürtige Haanerin über ihre Bronzemedaille. Auf Rang vier liegend beendete Mareike Becker nach vier Versuchen und 37,77m den Wettkampf, um sich in aller Ruhe auf die anschließende Hammerwurfkonkurrenz vorzubereiten, da sie dort die Favoritenrolle innehatte und mit dem noch immer etwas lädierten Fuß und den Auswirkungen der Krankheit kein weiteres Risiko eingehen wollte.

Die Diskuswerfer der Altersklasse M40 betraten als letzte unserer Werfer im Stadion den Ring und wollten die guten Bedingungen für große Weiten nutzen. Das gelang Marlo nicht ganz überzeugend, was allerdings nicht überraschend kam, beschäftigt er sich doch im Training gar nicht mit der 2-Kilo-Scheibe. So blieben am Ende 36,63m und ein achter Platz auf der Habenseite.

Besser lief es für den erst am Sonntag zu den Meisterschaften angereisten Ralf Mordhorst. Seine Scheibe segelte im vierten Versuch auf 49,51m, was ihm letztlich Silber hinter dem Ulmer Michael Lischka einbrachte, der sein Arbeitsgerät auf 52,85m beförderte.

Den goldenen Abschluss für die Werfer des LBV Phönix bildete der überlegene Hammerwurfsieg von Mareike Becker in der Altersklasse W35 auf dem Nebenplatz. Alle sechs Versuche hätten zum Sieg in dieser Konkurrenz gereicht, mit 44,60m lag sie in der Endabrechnung gut vier Meter vor ihrer Konkurrentin Manja Groß aus Großolbersdorf.

Damit ging ein sehr erfolgreiches Wochenende zu Ende, mit Superstimmung und bestem Wetter auf einer tollen Leichtathletikanlage. Allein das Fehlen einer Anzeigentafel in räumlicher Nähe zur Diskusanlage ist zu bemängeln, ansonsten war Leinefelde eine rundum gelungene Meisterschaftsveranstaltung! Die Medaillenbilanz von vier Gold-, drei Silber- und einer Bronzemedaille für die Werfer und Werferinnen des LBV Phönix kann sich dabei durchaus sehen lassen.

Fotos: Arno Reimann